Ein Elternteil, der um 18:30 Uhr Feierabend macht, die Kinder abholt, bei den Hausaufgaben hilft, das Essen zubereitet und vor 21 Uhr noch eine Waschmaschine anstellt, hat etwa zwei Stunden tatsächliche Zeit mit ihnen. Nicht zwei Stunden Qualitätszeit, sondern schlicht zwei Stunden.
Die Kinder im Familienalltag zu begleiten, bedeutet nicht nur, die passende Aktivität für den Mittwochnachmittag zu finden. Zunächst geht es darum, wie viel Zeit zur Verfügung steht und was man daraus macht, wenn nur wenig davon übrig ist.
Geburtsurlaub und Elternzeit: Was sich durch die jüngsten Regelungen ändert
Wenn ein Kind zur Welt kommt, besteht die erste konkrete Herausforderung darin, Zeit freizuschaufeln, ohne Einkommen einzubüßen. Die Regelungen zum Vaterschafts- und Betreuungsurlaub wurden angepasst. Außerdem gibt es für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer inzwischen einen zusätzlichen Geburtsurlaub. Diese Regelung ermöglicht zusätzliche freie Tage, setzt aber voraus, dass man die Formalitäten rechtzeitig mit dem Arbeitgeber klärt.
Für diesen zusätzlichen Urlaub wurde ein spezielles Meldeformular eingeführt. Der Arbeitgeber muss sich während dieses Zeitraums an den Kosten für die Kranken- und Vorsorgeversicherung des Arbeitnehmers beteiligen. In der Praxis heißt das: Es reicht nicht, einfach Urlaubstage zu beantragen. Man sollte mit der Personalabteilung klären, ob der Versicherungsschutz bestehen bleibt und die Meldung fristgerecht erfolgt.
Familien, die Orientierung für den Erziehungsalltag suchen, finden in der Familienrubrik von Parents et Mômes passende Informationen für jede Lebensphase – von der Geburt bis zur Jugend.
Der tatsächliche Gewinn durch diese Urlaubszeiten bemisst sich nicht an der Zahl der Tage, sondern daran, was man daraus macht: In den ersten Wochen präsent zu sein, prägt die Beziehung über Jahre hinweg. Ein Elternteil, der sich zehn Tage am Stück allein um sein Neugeborenes kümmern konnte, entwickelt Routinen – beim Baden, Einschlafen und Erkennen des Weinens –, die man nicht erlernt, indem man nur dem anderen dabei zusieht.

Abendroutine mit Kindern: Aus einer Pflicht einen wertvollen Moment machen
Die Zeit zwischen 18 und 20:30 Uhr ist für Familien der vollste Abschnitt des Tages: Hausaufgaben, Essen, Duschen, Geschichten vorlesen. Man kann diese Abfolge einfach über sich ergehen lassen oder sie so gestalten, dass sie zur wichtigsten gemeinsamen Zeit wird.
Kleine, altersgerechte Aufgaben verteilen
Ein vierjähriges Kind kann mit Plastiktellern den Tisch decken. Ein achtjähriges Kind kann beim Kochen das Rezept laut vorlesen. Das sind keine getarnten Hausarbeiten, sondern Gelegenheiten, Selbstständigkeit zu fördern, ohne dafür zusätzliche Zeit einplanen zu müssen.
Entscheidend ist die Regelmäßigkeit. Ein Kind, das jeden Abend den Tisch deckt, macht es irgendwann von selbst. Ein Kind, dem jeden Tag eine andere Aufgabe übertragen wird, kann sich keine davon zu eigen machen.
Hausaufgaben als Gespräch statt als lästige Pflicht
Während der Hausaufgaben neben dem Kind sitzen zu bleiben, ist nicht immer möglich. Man kann aber ein kurzes Ritual einführen: gemeinsam eine fertige Aufgabe durchgehen oder fragen, was es an diesem Tag gelernt hat. Fünf Minuten ungeteilte Aufmerksamkeit sind mehr wert als eine Stunde abgelenkte Anwesenheit mit dem Handy in der Hand.
Bei Jugendlichen verschiebt sich der Schwerpunkt. Sie möchten nicht mehr, dass man ihre Hausaufgaben überwacht, brauchen aber das Gefühl, dass man sich für ihr Leben interessiert. Eine offene Frage beim Abendessen („Wie lief dein Referat?“) öffnet mehr Türen als ein Verhör über die Noten.
Psychische Gesundheit von Jugendlichen: Anzeichen für seelische Belastungen im Alltag erkennen
Die in Frankreich durchgeführte EnCLASS-Studie dokumentierte zwischen 2018 und 2022 eine Verschlechterung mehrerer Indikatoren zur psychischen Gesundheit von Jugendlichen, insbesondere bei Mädchen. Neuere Daten aus dem Jahr 2024 beschreiben konkrete Anzeichen, auf die man achten sollte.
Einen Jugendlichen zu begleiten bedeutet auch, zwischen einer vorübergehenden Krise und einer anhaltenden seelischen Belastung zu unterscheiden. Zieht sich ein Teenager nach einem Streit mit einem Freund für ein Wochenende zurück, macht er gerade eine schwierige Zeit durch. Zieht er sich seit mehreren Wochen zurück, schläft schlecht, isst weniger und lässt in der Schule nach, sind das Warnsignale.
Was man im Alltag konkret tun kann:
- Jeden Tag eine gemeinsame Mahlzeit einplanen, auch wenn sie kurz ist, damit regelmäßig Raum für Gespräche bleibt, ohne das Kind dazu zu drängen
- Verhaltensänderungen über einen längeren Zeitraum beobachten (Schlaf, Appetit, Freundschaften), statt auf einen einzelnen Vorfall zu reagieren
- Die eigenen Beobachtungen ansprechen, ohne zu dramatisieren: „Du wirkst in letzter Zeit müde. Möchtest du darüber reden?“ öffnet eine Tür, ohne jemanden hindurchzuschieben
- Die Hausärztin oder den Hausarzt aufsuchen, wenn die Anzeichen länger als einige Wochen anhalten. Sie oder er kann an eine geeignete Fachperson verweisen

Familienleben und berufliche Verpflichtungen: Abwägen ohne schlechtes Gewissen
Die meisten Erziehungstipps setzen voraus, dass man beliebig viel Zeit hat: „Machen Sie mittwochs eine kreative Aktivität“ oder „Führen Sie jeden Abend ein 30-minütiges Vorleseritual ein“. Wer im Schichtdienst arbeitet oder die Kinder allein betreut, kann mit solchen Empfehlungen wenig anfangen.
Ein realistischer Kompromiss folgt einem einfachen Grundsatz: Lieber einen festen Moment am Tag bewusst freihalten, als sich zu viele gute Vorsätze vorzunehmen. Für manche Familien ist das das Frühstück, für andere die Autofahrt zur Schule. Wo dieser Moment stattfindet, ist nebensächlich – entscheidend ist die Regelmäßigkeit.
Unterstützungsangebote gibt es, sie werden jedoch noch zu wenig genutzt. Der Zuschuss zur freien Wahl der Kinderbetreuung, kommunale Hilfen für Ferien- und Freizeitzentren sowie Elternvereine in sozial benachteiligten Stadtvierteln: Solche Angebote können Zeit schaffen oder die mentale Belastung durch die Organisation des Alltags verringern.
- Bei jeder Veränderung der Lebenssituation (Geburt, Trennung, Arbeitsplatzverlust) bei der CAF prüfen, welche Ansprüche bestehen
- Bei der Stadtverwaltung nach einkommensabhängigen Gebühren für außerunterrichtliche Aktivitäten fragen, die sich nach dem Familienquotienten richten
- Einen örtlichen Elternverein finden, um sich mit anderen Eltern in einer ähnlichen Situation auszutauschen
Der Familienalltag muss nicht spektakulär sein, um Kindern Halt zu geben. Ein Kind, das weiß, dass ein Elternteil zu einem bestimmten Zeitpunkt für ein bestimmtes Ritual da ist, gewinnt durch diese Verlässlichkeit emotionale Sicherheit. Eine kleine, regelmäßige Geste wiegt schwerer als ein einmaliger großer Ausflug.



